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Das Projekt

Verbiss durch Rehwild kann das Wachstum von Laubbaumarten erheblich beeinträchtigen. Häufig führt dies bereits im Verjüngungsstadium zum Ausfall einiger Baumarten und damit zu einem Rückgang der Baumartenvielfalt. Warum jedoch einige Baumarten von Rehen bevorzugt gefressen und andere eher gemieden werden ist immer noch wenig bekannt. Zum einen soll deshalb untersucht werden, ob die Verbiss-Intensität einzelner Baumarten von der Artenzusammensetzung in der Verjüngungsschicht abhängt, d.h. von der Identität der jeweiligen Art wie auch der Diversität der umgebenden Bäumchen. Zum anderen soll untersucht werden, inwiefern die Verbiss-Intensität der einzelnen Arten von ihren jeweiligen Eigenschaften abhängt. Möglicherweise haben gemiedene Arten morphologische oder chemische Eigenschaften, die sie gegen Verbiss verteidigen, bis hin zu induzierter Verteidigung als direkte Reaktion auf Verbiss. Die Studie soll zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Verbiss und Baumartenvielfalt beitragen, insbesondere angesichts hoher Wilddichten.

Forschungsfragen

  1. a) Ist selektiver Fraß durch Rehe und damit die Verbiss-Intensität einzelner Baumarten abhängig von der Identität der Art oder von der Diversität der umgebenden Baumarten?
    b) Wird die Verbiss-Intensität außerdem durch abiotische Umweltparameter, wie Bodentyp, Lichtverfügbarkeit, oder anthropogene Störungen, beeinflusst?
  2. Können Reaktionstypen (morphologische/chemische Verteidigung, konstitutive/induzierte Verteidigung) auf Basis bekannter funktioneller Eigenschaften vorhergesagt werden?

Methoden

Zur Untersuchung der Effekte von Identität und Diversität der Baumarten auf die Verbiss-Intensität werden Forstinventurdaten aus dem Hainich/Thüringen ausgewertet (Biodiversity Exploratories, Hainich National Park). Die Daten beinhalten Angaben zur Abundanz der einzelnen Arten sowie zur Verbisshäufigkeit. Weitere Umweltparameter (Bodentyp, Lichtverfügbarkeit, Störung) werden als zusätzliche Variablen mit einbezogen. Ein statistisches Modell wird entwickelt, das erklären soll, wodurch die Verbiss-Intensität am besten erklärt werden kann.

Die Reaktion der einzelnen Arten auf Verbiss wird mittels eines Feldexperiments überprüft. Die 24 Baumarten des Experiments decken einen breiten Gradienten morphologischer und chemischer Eigenschaften ab. Die gewählten Baumarten sind ebenfalls im benachbarten Arboretum in Großpösna (10km südöstlich von Leipzig) vertreten, um gemeinsame Projekte zu ermöglichen, bei denen funktionelle Eigenschaften gemessen und vielseitig ausgewertet werden. Im Experiment wird Verbiss simuliert, indem apikale Knospen bzw. die obersten Blätter abgeschnitten und Rehspeichel auf die Schnittstelle aufgetragen wird. Nach ca. 2 Wochen werden darunterliegende Lateralknospen bzw. Blätter geerntet und ihre chemische Zusammensetzung, insbesondere hinsichtlich sekundärer Pflanzenstoffe untersucht (in Kooperation mit dem MPI-CE) und mit nicht verbissenen Bäumchen verglichen. Die Verbiss-Reaktion der Baumarten wird statistisch in Beziehung gesetzt zu den allgemeinen morphologischen und chemischen Eigenschaften der Arten, um letztlich die verschiedenen Reaktionstypen auf Verbiss vorhersagen zu können.

Experiment im April 2014

Diese Projekt ist die Doktorarbeit von Bettina Ohse und wird gefördert durch ein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

letzte Änderung: 17.03.2015